Collection: Erdbodenthermometer

In der Meteorologie ist die Messung der Erdbodentemperatur von entscheidender Bedeutung, da der Boden als thermischer Energiespeicher fungiert und den Energieaustausch zwischen Atmosphäre und Lithosphäre maßgeblich beeinflusst.

Hier ist eine wissenschaftliche Übersicht über die Typen, die Platzierung und die physikalischen Hintergründe dieser Instrumente.


1. Messprinzip und Tiefenstufen

Erdbodenthermometer werden in standardisierten Tiefen eingesetzt, um vergleichbare Daten über den vertikalen Wärmestrom zu erhalten. Gemäß den Richtlinien der WMO (World Meteorological Organization) und des DWD (Deutscher Wetterdienst) sind dies:

  • Oberflächennahe Messung: 2 cm, 5 cm und 10 cm Tiefe.

  • Tiefenmessung: 20 cm, 50 cm und 100 cm Tiefe.

In den oberen Schichten (bis 20 cm) sind die tageszeitlichen Schwankungen massiv, während in 100 cm Tiefe oft nur noch der jahreszeitliche Gang erkennbar ist.


2. Bauformen der Erdbodenthermometer

Je nach Tiefe untersuchen wir zwei unterschiedliche Konstruktionstypen:

A. Erdboden-Winkelthermometer (für geringe Tiefen)

Diese Thermometer werden für Tiefen von 5 cm bis 30 cm eingesetzt.

  • Bauweise: Das Glasrohr ist in einem Winkel von meist 135° gebogen.

  • Grund: Der Thermometerkolben (das Reservoir) liegt horizontal in der gewünschten Tiefe, während die Skala schräg nach oben aus dem Boden ragt. Dies ermöglicht das Ablesen, ohne das Thermometer aus dem Boden ziehen zu müssen, was das Temperaturprofil stören würde.

B. Erdboden-Einhängethermometer (für große Tiefen)

Für Tiefen ab 50 cm verwendet man spezielle Stationshüllen.

  • Bauweise: Ein Schutzrohr aus Kunststoff oder Metall wird dauerhaft im Boden versenkt. Das eigentliche Thermometer ist in einem Holz- oder Kunststoffschaft montiert und wird an einer Kette in das Rohr hinabgelassen.

  • Trägheitsprinzip: Damit sich die Anzeige beim Herausziehen zur Ablesung nicht sofort durch die Lufttemperatur ändert, ist der Thermometerkolben oft in einer Wärmepuffer-Masse (z. B. Paraffin oder eine massive Glashülle) eingebettet. Dies erhöht die thermische Trägheit.


3. Physikalische Hintergründe: Wärmeleitung

Die Temperaturverteilung im Boden folgt der Wärmeleitungsgleichung. Da Boden ein schlechter Wärmeleiter ist, entstehen zwei Effekte:

  1. Phasenverschiebung: Das Temperaturmaximum erreicht tiefere Schichten deutlich später als die Oberfläche. In 100 cm Tiefe kann das sommerliche Maximum erst mit Wochen oder Monaten Verzögerung eintreten.

  2. Amplitudendämpfung: Mit zunehmender Tiefe nimmt die Differenz zwischen Tag und Nacht (bzw. Sommer und Winter) exponentiell ab.

$$T(z, t) = T_{mittel} + A_0 \cdot e^{-z/d} \cdot \sin(\omega t - z/d)$$
  • $z$: Tiefe

  • $A_0$: Amplitude an der Oberfläche

  • $d$: Dämpfungstiefe (abhängig von der Bodenbeschaffenheit und Feuchtigkeit)


4. Wichtige Installationsregeln

Damit die Messwerte wissenschaftlich verwertbar sind, müssen strenge Regeln befolgt werden:

  • Bodenbeschaffenheit: Die Messung erfolgt meist unter einer unbewachsenen, ebenen Erdoberfläche (Schwarzacker) oder unter einer kurzgehaltenen Grasdecke.

  • Keine Hohlräume: Beim Einsetzen darf kein Luftspalt zwischen Boden und Thermometer entstehen, da Luft isoliert und die Messung verfälscht.

  • Vermeidung von Verschattung: Die Messstelle darf nicht durch Gebäude oder Bäume verschattet werden.

Möchtest du mehr über die elektronischen Sensoren (Widerstandsthermometer wie Pt100) erfahren, die heute in automatischen Wetterstationen die Glasthermometer weitgehend ersetzt haben?

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